Diamant

Im Dezember 2007 habe ich mir nach langer Zeit mal wieder einen Segler, einen Diamant von Graupner, zugelegt. Das Modell ist nach einer Konstruktion von Helmut Quabeck entstanden. Das Erscheinungsbild ist für meinen Geschmack einfach perfekt. Ich mag diese Hochleistungs-Besenstiele nicht, auch wenn sie gut fliegen. Und so eine Badewanne mit Stiel wie bei einer ASW 27 sollte es auch nicht sein.

Man beachte die Kiste
im Hintergrund!

Ob auch alles dabei ist?

Vierzehn Tage nach der Bestellung rief mich mein Händler an, ich könne den Karton abholen. Nach ein paar kleineren Problemen bekam ich die Kiste auch tatsächlich in's Auto – ich musste außer den Rücksitzen auch den Beifahrersitz umlegen – und sogar unfallfrei nach Hause. Dort begann dann das Auspacken, gefolgt vom probeweisen Zusammenstecken im Wohnzimmer.

Ein paar Wochen und acht Servos später war dann Erstflug.

Startvorbereitungen

Aufrüsten

Da ich mich nicht traue, die 7kg selbst in die Luft zu werfen, habe ich mir für den Start eine Gummiflitsche zugelegt. 7m emc-Vega Scale-Gummi an 10m Schnur. Ausziehen bis auf etwa 20kg reicht, um den Segler auf 2 – 3m Höhe zu bringen. Allerdings kann ich bei diesem Zug den Ring am Ende des Seils nicht mehr mit der Hand halten, geschweige denn in den Auslöser einhaken. Dafür habe ich mir extra einen Handgriff gebastelt. Eingehakt in einen zweiten Ring 10cm vor dem Ende der Schnur ist das Einhaken jetzt eine recht komfortable Angelegenheit.

Mit eigener Kraft…

Am Seil

Insgesamt sieht die Flitsche jetzt also so aus: 7m Gummi, 10m Schnur, der Stift zum Einstecken in den Segler, dann noch mal 3m Schnur mit zwei Ringen am Ende, 10cm auseinander. Am vorletzten Ring hake ich meinen Griff ein und ziehe damit die Flitsche aus. Am Auslöser angekommen, baumelt der Ring für den Auslöser lose rum und ich kann ihn locker einhängen.

Die drei Meter Schnur hinter dem Einhängestift sind wichtig: Erste Versuche mit einer kürzeren Schnur, die kurz hinter dem Rumpf aufhörte, endeten damit, dass die Schnur beim Start wild herum hüpfte und auch schon mal über das Höhenruder geschleudert wurde. Glücklicherweise ist sie bei der ersten Kurve wieder runtergefallen…

Bausatz

Rückenflug geht auch

Von Bausatz kann man – wie heute üblich – kaum noch sprechen. Tragflächen und Höhenflosse kommen fertig faltenfrei bebügelt aus der Kiste. Der Rumpf ist spiegelblank, ohne Fehler und mit kaum sichtbarer Naht. Die Kabinenhaube ist ebenfalls fertig und sitzt saugend. Zumindest bei mir, ich habe aber auch schon von Problemen gelesen. Das Seitenruder ist aus GFK, ebenfalls sauber gefertigt und schön leicht. A propos Gewicht: Die Flächen machen den Eindruck, als seien sie aus massivem Buchenholz gefräst, extrem stabil und schwer! Ein Blick in die Servoschächte zeigt, warum: Sehr dichter Schaum und 2mm Abachi-Beplankung, mit Holm und dort auch noch mit Kohle verstärkt. Ich glaube, die kann man auch als Rampen für ein Auto benutzen …

Das Flugbild ist einfach toll.

Das Bauen beschränkt sich also auf den Einbau der Anlage. Das ist in diesem Fall aber durchaus keine Kleinigkeit: 8 Servos stapeln sich bei mir auf der Werkbank. Die jeweils drei Servos in jeder Fläche geben schon einen beachtlichen Kabelbaum ab. Dazu kommen in den Rumpf noch der dicke Motor, der niedlichere Flugakku-Pack, die zwei Anlagen-Akkus, die Weiche und zwei Empfänger.

Die zwei Empfänger sind reine Notwendigkeit: zu den 8 Servos kommen im Rumpf nämlich noch der Regler und ein geplantes Fahrwerk mit Bremse sowie ein Vario. Macht summa summarum 12 Funktionen! Die ACT-Empfänger machen den Umgang damit aber relativ einfach, weil man so manche Aufgabe aus dem Sender heraus nehmen kann. So reicht zum Beispiel zum Ansteuern der Wölbklappen ein Kanal, der im Empfänger auf zwei Ausgänge gelegt wird. Die Neutralstellung der Servos und die Wege kann ich ebenfalls im Empfänger individuell genau einstellen. So ganz nebenbei gibt's dann auch noch Diversity mit zwei Antennen und eine Protokollierung der Empfangsqualität für den ganzen Flug.

Fliegen

Nun zum Zweck der ganzen Übung: dem Fliegen. Hier gibt sich der Diamant völlig unprätentiös. Die ersten Flüge fanden mit dem Schwerpunkt nach Plan statt. Damit fliegt der Diamant durchaus anfängertauglich. Die Fluggeschwindigkeit wird mit den Wölbklappen eingestellt, Anstechen ist nicht. Die Flugleistungen können sich durchaus sehen lassen, ich habe gleich beim ersten Flug noch in 50m Höhe einen Bart angerührt (Leider fanden die ersten Flüge noch ohne Vario bzw. Logger statt, so dass ich keine Zahlen habe). Trudel ist mit dem Schwerpunkt nach Plan wahrscheinlich unmöglich. Bei voll gezogenem Höhenruder geht der Diamant einfach in einen Sackflug über, noch nicht einmal die Nase geht nach unten. Nach ein paar Flügen habe ich den Schwerpunkt einige cm zurückgelegt. Das brachte ein deutlich verbessertes Schnellflugverhalten, ohne dass sich die Langsamflug-Eigenschaften merklich verschlechterten.

Die Landung ist mit Butterfly eigentlich kein Thema, allerdings sollte man schon etwas Platz haben, da die 7kg bei weichem Aufsetzen noch gewaltig schieben.

Im Sommer haben ein Vario (Sky-Assistant, das 'Polen-Vario' von PitLab) und zeitweilig auch ein Daten-Logger (Unilog von SM-Modellbau) in den Rumpf Einzug gehalten. Der Daten-Logger berichtet von einer Leistungsaufnahme von 800W, dabei ist das Steigen ungefähr 6m/s. Akku und Motor sind also völlig relaxed. Bei abgeschaltetem Motor stellt sich ein Sinken von 0,7m/s ein. Für 75g/dm² kein schlechter Wert, wie ich finde.

Der sportliche Teil: das Nach-Hause-Tragen

Zwischenzeitlich habe ich auch Handstart probiert. Mit einem kräfigen Werfer und leicht gesetzten Wölbklappen überhaupt kein Problem. Der Rumpf läßt sich unter den Flächen auch ohne Torwart-Hände gut fassen und der Motor zieht recht kräftig weg.


Modell: Diamant
Hersteller: Graupner
Spannweite: 4500mm
Gewicht: ca. 7 kg
Empfänger: 2x ACT DSL8
Servos: 5x Hitec HS85MG, 3x JR C5077
Stromversorgung: 2x Kokam 1500 und Emcotech DPSI
Motor: Kontronik KoraTop 30-14 an Aeronaut 18x9"
Flugakku: 6x Dualski 3300
Regler: Kontronik Jazz 80