Modellfliegen

Wie manche vielleicht schon geraten haben, ist Modellfliegen eines meiner Hobbies. Eigentlich habe ich, solange ich zurückdenken kann, immer irgendwie was zum Fliegen gebracht. Ob es nun ein kleiner Balsa-Gleiter vom Kiosk war, oder eine Styropor-Gemüsekiste, von der ich einfach alles wegschnitzete, was nicht nach Flugzeug aussah.

Mit 14 konnte ich mir dann eine kleine 2-Kanal-Fernsteuerung von Sanwa für 400 DM kaufen. Das war damals ein Haufen Geld! Und dafür bekam man einen 27-MHz-Sender mit'm Haufen Transistoren, Widerständen und Spulen darin (hab' ich heute noch), einen für damalige Verhältnisse kleinen Empfänger und 2 kleine Servo, etwa mit Mini-Servos heute vergleichbar. Alles mit Batteriebetrieb, also kostete ein Flugtag auch einen Satz Empfängerbatterien (oder eine Tube Klebstoff).

Die Fernsteuerung baute ich zuerst in eine Bora von Carrera (ja, die haben damals auch Flugzeuge verkauft). Mit einem Motorträger habe ich auf die Tragflächen einen 0,8er Cox gebaut und ab ging's zum ersten Flug beim Bauern auf der Wiese. Dies war auch gleich der letzte Flug der Bora, nach der 'Landung' existierte der Rumpf nicht mehr und die Tragflächen waren auch nur noch Brennholz.

Mit einem Dandy von Graupner ging's dann gleich weiter. Diesmal ohne den Cox. Stattdessen wurde erstmal der nahegelegene Rodelberg als Flugplatz mißbraucht, und ich lernte die sportliche Seite des Hobbies kennen. Irgendwann fand ich zu Hause mal eine riesige Tüte mit 40mm-Gummiringen. Die habe ich, jeweils 4 parallel, zu einem wohl 15 m langen Seil zusammengeknotet. Mit etwas Drachenschnur dahinter hatte ich mein erstes Hochstartgummi. Damit stieg der Dandy ungefähr atemberaubende 10 m hoch und schaffte es manchmal sogar bis an den Startplatz zurück. Zumindest wenn ich richtig gesteuert hatte.

Nach einem Jahr hatte mein Opa dann ein Einsehen und es gab zu Weihnachten einen Amigo II. Buah, der Karton und die Optik des Flugzeugs waren ziemlich abschreckend, so richiges Vorkriegsdesign. Aber ordentlich gebaut ergab sich ein 750g leichter Flieger, der in der Thermik richtig gut ging. So ab 150 m sieht man nicht mehr so deutlich, wie er aussieht. Das war auch die Zeit, in der ich merkte, dass ich eine Brille für Fernsicht brauchte ;-). Den Amigo habe ich immer noch auf dem Dachboden liegen. Er würde sogar noch fliegen, aber ich habe kein Hochstartgummi mehr für das Federgewicht.

Inwzischen war ich auch in einem Verein zu Hause, der SMG Langenhagen. Die vielen Tipps und (mehr oder weniger) freundlichen Ratschläge ('Hee, flieg nicht immer über den Autos!', 'Pass auf, der Zaunpfa..') haben doch viel Kleinholz vermieden.

Ab da begann das richtige Modellfliegen. Das nächste Jahr leistete ich mir schon einen Cirrus von Graupner. Ja, den mit dem ABS-Rumpf. Mein Opa stiftete dazu eine neue Fernsteuerung, von Brand Microelektronik, falls jemand die Firma noch kennt. Leider waren die Servos so groß, dass ich keine Querruder einbauen konnte. Also wurde es ein 3m-Segler mit 2-Achs-Steuerung. Ohne Wind wirklich prima, ab Windstärke 4 nicht mehr zu gebrauchen (um Glück hatte ich ja noch den Amigo). Aber das Flugbild des Cirrus war wirklich atemberaubend! Mit der für die damalige Zeit extrem hohen Streckung und dem schlanken, vorbildähnlichen Rumpf, einfach toll. Etwas ähnliches habe ich heutzutage erst wieder mit dem Diamant gefunden.

Mit dem nächsten Flieger, einem WA 23 von Wanitschek, begann dann wieder die Zeit des Bauens. Das war mein erster Querruder-Segler, und gleich als Kunstflugsegler ausgelegt. Da solche unanständigen Sachen bei uns im Verein damals verpönt waren, musste ich mir also selbst beibringen, wann man bei einer Rolle nachdrücken muss (nicht erst wenn das Flugzeug wieder in Normallage ist!).

Erschwert wurde die Kunstfliegerei noch durch den Umstand, dass jetzt zusätzlich auch noch Abi, Motorrad und Segelfliegen um meine knappe Zeit wetteiferten. Dann kam da auch noch die Veranstaltung bei den grünen Männchen, und danach ging es in den Harz, nach Clausthal-Zellerfeld, zum Studium. Ab da war erstmal Schluss mit Modellfliegen.

Anfang der 90er hatte ich mein erstes eigenes Auto und konnte auch mal wieder an's Fliegen denken. Inzwischen hatte der Elektroflug ja richtig Fuß gefasst, und so wurde das meine Zielrichtung. Mit den Stinkefliegern konnte (und kann) ich mich nicht so richtig anfreunden. Zu viel Krach, zu schmierig, und wenn's mal schnell gehen soll, läuft der Motor nicht. Einzig mit Benzinern komme ich halbwegs klar.

Die nötige Umgebung bot mir der MBC Clausthal-Zellerfeld. Besonders die Schiffssparte hat mich anfangs auch sehr interessiert. Seitdem steht mir jedenfalls immer wieder ein recht großes Segelboot im Weg herum.

Nach acht Jahren Pause legte ich mir also eine Race-Rat von Graupner zu. Boah ey! Wenn ich denn mal einen Start geschafft hatte, konnte ich endlich nach oben fliegen (für mich als alten Segelflieger ein damals durchaus ungewohnter Zustand), und auch endlose Rollen waren möglich! Der EPS 2002 war danach als Thermikschleiche wieder zur Beruhigung der Nerven gut.

Von da an ging es sowohl mit dem Elektroflug an sich und auch mit meinen Modellen stetig weiter. Ich bin immer noch fasziniert von der Vielfalt an Modellen, die man elektrisch in die Luft bekommt. So finden sich in meiner Sammlung inzwischen eine Ente (Kormoran von robbe), zwei Zweimots (Partenavia von Graupner, Twin Star von Multiplex), eine Dreimot (Ju52 von Graupner), ein Impeller (T33 von Kyosho), sowie diverse Segler und natürlich auch Hubschrauber.

Der Umzug nach Braunschweig brachte dann auch wieder einen Vereinswechsel mit sich, nun kann man mich häufig auf dem Gelände des TSV Hillerse sehen. Hier hat mir besonders die aktive Hubschrauber-Gruppe manch buchstäblich unbezahlbaren Tipp gegeben.

In den letzten zwei Jahren konnte ich meine modellfliegerische Entwicklung mit dem Hirobo Lepton und dem Graupner Diamant krönen – vorerst!